Eine lustige Witwe – im Zwiebellook!

Marlis Petersen (Hanna) und Ensemble (Foto: Monika Rittershaus)

Warum nicht mal den bekannten Ablauf etwas stören, unterbrechen, nicht geschmeidig durchlaufen lassen…das soll wahrlich nicht negativ klingen. Claus Guth, Regisseur und Verantwortlicher für diese Inszenierung, wählt ein Stilmittel, dessen sich schon Shakespeare bediente. Er erzählt eine Geschichte in der Geschichte in der Geschichte in der Geschichte….so weit – so gut!

Gestern also war es soweit und die Premiere der lustigen Witwe stand in der Oper Frankfurt bevor.  Wie bei Premieren häufig zu erleben, ist das Publikum in feiner Ausgehlaune gewandet – ein ansonsten nicht immer so anzutreffendes Bild. Man strömt bei frühabendlichem Sonnenschein in ein schnörkelloses, ziemlich konsequent angelegtes Opernhaus – in freudiger Vorahnung auf eine Operette, die doch so leichtlebig unterhaltsam ist.

v.l.n.r. Statist der Oper Frankfurt (Kameramann), Marlis Petersen (Hanna), Klaus Haderer (Njegus) und Barnaby Rea (Zeta) (Foto: Monika Rittershaus)

Doch das soll sich bereits beim Intro wandeln, auf der Bühne sitzt lakonisch „die Glawari“ (Marlis Petersen) so ganz ohne jeglichen Glanz in Ihrer Garderobe und harrt der Dinge…..einige gesangliche Lockerungen lassen erahnen, dass auch dies hier zum Alltag gefeierter Bühnenstars gehören kann.

Dieser Zustand währt nicht lange und das Orchester setzt zur Ouvertüre ein. Hier beginnt die nächste Überraschung für Gäste, die nicht regelmäßige Besucher der Frankfurter Oper sind. Joana Mallwitz, musikalische Leitung dieser Produktion und Dirigentin, als strahlender Mittelpunkt. Selten kann man Dynamik, Präzision und Musikalität so elegant und doch modern lebendig erleben. Jung und hochtalentiert!

Iurii Samoilov (Danilo), Tänzerinnen (Grisetten) und Marlis Petersen (Hanna) (Foto: Monika Rittershaus)

Noch völlig fasziniert von dem Orchestergraben, geschehen auf der Bühne schon bekannte Dinge….oder doch nicht? Die Handlung wird von einem Filmteam mit zu erwartenden Entourage begleitet, motiviert, auch optimiert, immer wieder unterbrochen…und…und…und. Diese Geschichte in der Geschichte läßt im Zuschauerraum anfängliches Stirnrunzeln in gefälliges Nicken übergehen. Seine Chance nutzt besonders Klaus Haderer in der Doppelrolle als Filmregisseur und gleichzeitig als Njegus…witzig, spritzig. Der Situation den richtigen Schwung gebend und doch ist die Häufigkeit der Einsätze des Filmteams maximal ausgereizt. Suchen sich doch die beiden Protagonisten Hanna Glawari (Marlis Petersen) und Graf Danilo Danilowitsch (Iurii Samoilov), finden sich, können es nicht geschehen lassen und trifften wieder auseinander….und dies nicht nur in ihrer Rolle, sondern auch in deren erlebbaren Realität. Eine Prise Raffinesse, die die Süße des Spiels mit der nötigen Portion Wehmut mildert.

Eine Frage an den Regisseur: sollte die überdimensionale Fliege noch von der Fledermaus übrig sein…(Kein Pointenkiller – nur zum Verständnis).

Der angekündigte Besetzungswechsel der Valcienne mit Liz Reiter ist jedenfalls eine Meisterleistung. Sie wirbelt über die Bühne, zeigt ihre leidenschaftliche Spielfreude und begeistert gesanglich. Bei der anschließenden Premierenfeier kann man Ihre große Beliebtheit im Ensemble sehr gut erleben.

Martin Mitterrutzner (Camille) und Elizabeth Reiter (Valencienne) (Foto: Monika Rittershaus)

Die Tänzer erinnern dank feinsinnig abgestimmter Kostümkonzeption an vergangene Zeiten großer Revuen – meisterlich von Christian Schmidt entworfen. Er zeichnet auch verantworltich für das Bühnenbild. Dieses ist im Art Deco zuhause und gibt (für Plätze in den höheren Rängen gut ersichtlich) u.a. einen Ballsaal mit belebtem Bodendesign und somit der Handlung einen stilvollen Rahmen. Dazu die beiden Künstler-Garderoben und der Außenbereich mit Fassaden-Anmutung  – unaufdringlich Parisienné.

Die Choreografie von Ramses Sigl fügt sich stimmig in die gesamte Produktion ein – ob Tanzensemble oder Chor – es werden fulminante Bilder gezaubert, wie man sich dies bei Operette wünscht. Stimmgewaltig, raumfüllend der Chor und auch wieder fein skaliert mit weichen Wellen – sehr genussvoll.

Marlis Petersen (Hanna; am Boden liegend) und Ensemble (Foto: Monika Rittershaus)

Die Gegenüberstellung der kecken, naiv-sinnlichen Valcienne und einer nachdenklich, grübelnden Hanna kommt erst auf den zweiten Blick zum Vorschein, zu sehr umspielen andere Figuren die Szenerie.

Dramaturgisch wird die Drehbühne spannend eingesetzt – sicher auch schwierig für die Künstler, wenn der Ballsaal z.B. seitlich steht und der Chor die Fernwirkung bestehen muss. Auch dies konsequent geführt durch Joana  Mallwitz.

Der Beitrag könnte noch ausgiebig weitergeführt werden, allerdings auch mit der Gefahr zu sehr die bezaubernde Spannung und zugleich die ins Abgründige treibende Stimmung zu verraten….

Ebenso auch alle anderen Akteure noch namentlich zu erwähnen – doch dazu kann ich nur empfehlen, diese „Witwe“ persönlich zu erleben.

Es macht neugierig, sich durch die vielschichtige Inszenierung mitnehmen zu lassen – und wer weiß, vielleicht entdeckt man zum opulenten Finale, die eine oder andere Hülle, die einen ebenfalls gut kleidet.

Iurii Samoilov (Danilo) und Marlis Petersen (Hanna) (Foto: Monika Rittershaus)

OPER Frankfurt – Terminübersicht

Wir bedanken uns für die kostenlose Überlassung der Presseaufnahmen.

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